Reflection of the Projection – Ein Kontemplationsraum

Didi Müller

‹Reflection of the Projection – Ein Kontemplationsraum› von Didi Müller in der Kinemathek Karlsruhe

Man muss auf die Stimmen hören, die unnütz scheinen; in die Hirne, die angefüllt sind mit langen Abwasserrohren, mit Schulmauern, mit Asphalt, mit Sozialpapieren, muss das Summen der Insekten dringen

sagt die samtige Stimme der Künstlerin aus dem Off. Das Summen der Insekten ist nun im Foyer der Kinemathek Karlsruhe zu hören. Nicht nur das Summen, auch die prunkvollen Bilder eines goldenen Spätsommers füllen das Foyer und die riesige Leinwand über dem Eingang zum Kinosaal, auf der früher die Kinomaler die Filmplakate malten. Diese schöne alte Praktik aktualisierend haben Didi Müller, Marc Teuscher und Holger Förterer die Phonolux Maschine ins Leben gerufen. Zwei Projektoren aufeinander abgestimmt bespielen die ganze Breite der Foyerwand.

Reflection of the Projection (ROTP) – Ein Kontemplationsraum
Didi Müller, 2021
Projektion: 11,75 m x 3,05 m
Audio: 4 Kanal
Dauer: 60 min

‹Reflection of the Projection – Ein Kontemplationsraum› von Didi Müller, Still

Eigens für diese leicht gekrümmte Wandfläche machte Didi Müller den Film, der die Betrachterin sofort tief in die Magie der Natur hineinzieht. Weite Weizenfelder, die auf der großen Wandfläche so plastisch sind, dass man meint, die reifen Ähren zu riechen. Immer wieder tritt der Protagonist des Films ins Bild. Versunken steht er vor seiner Malerei. Die Kamera fährt fast schon zärtlich genau über die Leinwand und die Farben, die darauf in sanften organischen Formen spielen. Der Protagonist wird beobachtet, wie er mit der Natur interagiert. Langsam pflückt er Äpfel oder gießt ein Beet. Bedächtig wäscht er seine Hände am Ufer eines Baches, während das Plätschern des Wassers den Raum erfüllt und Sehnsucht nach kühlem Wasser auf der Haut erweckt. Der Film ist eine Ode an das langsame Leben in der Natur. An die Kontemplation und das Spüren mit allen Sinnen. Er erinnert uns an unserer Verbindung zu den Elementen und besingt mit Bildern und Sound die Schönheit des Kreislaufs, der unsere Lebensgrundlage ist. „Ich kann nicht gleichzeitig in meinem Kopf und in meinem Körper leben“ hört man die Künstlerin wieder aus dem Off und die Worte könnten aktueller nicht sein, in einer Zeit, die so viel Kopf und so wenig Körper ist. Die Sehnsucht nach der Natur wird umso größer, als die Distanz der modernen Welt zu ihr sich vergrößert. Der Film erinnert an das, was uns menschlich macht und lockt uns dorthin, wo das Leben pulsiert.

Text: Seraphine Noemi Meya

‹Reflection of the Projection – Ein Kontemplationsraum› von Didi Müller in der Kinemathek Karlsruhe